Zigeunerkarten – (optische )Zeugen der Vergangenheit

Im Jahre 1920 entwarf ein unbekannter Künstler die heute als Zigeunerkarten bekannten Karten
Im Jahre 1920 entwarf ein unbekannter Künstler die heute als Zigeunerkarten bekannten Karten

Verschiedenste Formen des Orakels haben sich im Laufe der Geschichte entwickelt, wurden weiterentwickelt oder auch wieder verworfen. Ob aus den Eingeweiden von frisch geschlachtetem oder geopfertem Vieh, Tierknochen oder dem Vogelflug – schon immer wurden Naturbeobachtung und die Überreste von Geschöpfen der Natur dafür verwendet, die Zukunft zu deuten und vorherzusagen. Diese Vorhersagen waren aber in den meisten Fällen nur einigen Personen und Berufsgruppen gestattet. Darunter fielen die altrömischen Auguren, Schamanen und Priester, Stammesälteste und Jungfrauen. Anderen Normalsterblichen war die Kunst der Vorhersage oft unter der Androhung von drakonischen Strafen, mitunter dem Tode, verboten. Trotzdem war der Reiz der Orakelkunst für viele zu hoch, und so wurden die Formen der Voraussage oft heimlich praktiziert und weiterentwickelt.

Durch die Verbreitung des christlichen Glaubens rückten solche heidnischen Gebräuche aber oft in den Hintergrund oder verschwanden vollends von der Bildfläche. Die katholische Kirche bekämpfte derartige Praktiken, um ihren Allwissenheits- und Allmachtanspruch zu verfestigen. Durch die hohe Zuwanderungsrate der Zigeuner im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde die Wahrsagerei mithilfe von Karten zunehmend populär in Westeuropa.
Durch die Tabuisierung der Orakelkultur waren die umherziehenden Volksstämme aus dem Osten oft die einzigen geübten Menschen auf diesem Gebiet und daher vielbeanspruchte Leute. Ihre Karten waren oft primitiv gestaltete Schnipsel aus Pergament oder ähnlichem. Die heutigen Zigeunerkarten haben im Gegensatz zur landläufigen Meinung nichts mehr mit diesen ursprünglichen improvisierten Blättern zu tun. Die Bezeichnung spiegelt lediglich den Ruf der fahrenden Völker als magiebegabt und orakelgeschult wider.

Im Jahre 1920 entwarf ein unbekannter Künstler die heute als Zigeunerkarten bekannten Karten, und sie verbreiteten sich rasch im osteuropäischen Raum und kamen von dort auch in unsere heimischen Gefilde. Der weitverbreitete Glaube, Zigeuner- und Kipperkarten seien identisch, ist falsch. Sie ähneln sich nur in Verwendung und in einigen Abbildungen.

© I.Ivan – Fotolia.com

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